Sicherheit vor Legionellen

DFLW e.V. rät Verbrauchern zu mehr Eigeninitiative

Nur wenige Wissen, dass bereits bis zum 31.12.2013 der erste Turnus der gesetzlichen Prüfpflicht von Trinkwasseranlagen endete. Allerdings sind bis heute noch rund 60% der prüfpflichtigen Gebäude nicht untersucht wurden. Dieses fahrlässige Handeln bleibt bisher meist ungeahndet. Die zuständigen Überwachungsbehörden (Gesundheitsämter) reagieren nicht. So bleibt ein erhebliches gesundheitliches Risiko für jeden betroffenen Mieter! Denn eine Überschreitung des technischen Maßnahmewertes für Legionellen kann lebensbedrohliche Folgen haben.

Der Deutsche Fachverband für Luft- und Wasserhygiene e.V. (DFLW) mit Sitz in Berlin engagiert sich bereits seit fast 15 Jahren für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zur Wahrung einer hygienisch unbedenklichen Trinkwasser- und Raumluftqualität.

Im Bereich der Trinkwasserhygiene geht es dabei vorrangig um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, die in der Trinkwasserverordnung verankert sind. Dort wurden in den vergangenen Jahren wichtige Änderungen zum Schutze der Verbraucher vorgenommen. Hauptaugenmerk sind Maßnahmen gegen Legionellen in Trinkwasseranlagen. Bei Überschreitung des technischen Maßnahmwertes des gefährlichen Bakteriums sind Vorgaben zu beachten die zur Sicherheit der Mieter dienen. Denn dieser Erreger kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Atmet man die mit Legionellen belasteten Aerosole z.B. beim Duschen ein, ist eine lebensbedrohliche Lungenentzündung nicht auszuschließen.

Daher hat der Gesetzgeber bereits 2012 Betreiber von öffentlichen und gewerblichen Trinkwasseranlagen dazu verpflichtet, alle drei Jahre eine jährliche Überprüfung vorzunehmen und Überschreitungen unverzüglich dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Der erste Turnus der gesetzlichen Prüfpflicht endete bereits 2013.

Die Verantwortlichen des DFLW e.V. haben nun bei ihren Überprüfungen zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erschreckendes feststellen müssen. Nach eigenen Erhebungen wurden bis heute weniger als 40% der prüfpflichtigen, an Privatleute vermieteten, Großgebäude (mehr als zwei Mieteinheiten pro Gebäude) untersucht. Das bedeutet, dass bei 6 von 10 Gebäuden die Sicherheit der Nutzer in diesem Bereich nicht gewährleistet ist.

Der DFLW e.V. rät daher allen Verbrauchern von §21 der Trinkwasserverordnung Gebrauch zu machen. Dieser besagt unter anderem, dass Unternehmer und sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage den Verbrauchern mindestens jährlich Informationen zur Beschaffenheit des bereitgestellten Trinkwassers, in schriftlicher Form oder durch Aushang, zugänglich zu machen haben (vollständiger Auszug siehe Anlage 1).

Zur Wahrung ihrer eigenen Sicherheit sollten Mieter, denen solche Informationen vorenthalten werden, dieses fahrlässige und möglicherweise vorsätzliche Handeln beim zuständigen Gesundheitsamt anzeigen. Nur so werden die Gesundheitsämter ihrer Überwachungspflicht nachkommen, weiß der DFLW e.V. Die Gesundheitsämter sind nämlich verpflichtet, solchen Meldungen nachzugehen. Nicht aber proaktiv zu überprüfen ob die Betreiber den gesetzlichen Vorgaben nachkommen. Die Betreiber gehen durch ihr fahrlässiges Handeln, ob bewusst oder unbewusst, ein erhebliches (Haftungs-)Risiko ein. Und der Verordnungsverstoß bleibt ungeahndet. Dies möchte der DFLW e.V. künftig verhindern.

Daher hat der Fachverband, zusammen mit Juristen, in einem Arbeitskreis ein Formblatt (einsehbar ab Mai unter: www.dflw.info) erarbeitet, das es den Verbrauchern ermöglicht schnell, einfach und vor allem den gesetzlichen Vorgaben entsprechend, eine Unterlassung der Informationspflicht beim zuständigen Gesundheitsamt anzuzeigen. Das Formblatt steht als kostenloser Download auf der Website des Verbandes: www.dflw.info zur Verfügung. Darüber hinaus empfiehlt der Fachverband die Informationen des Referats für Gesundheit und Umwelt in München, die auf der Website zu finden sind.*

Wichtig sei, so die Fachleute des DFLW e.V., dass die Verbraucher zur Wahrung ihrer eigenen Sicherheit aktiv werden und die gesetzlichen Vorgaben einer Überwachungspflicht einfordern. Um so die Gesundheitsämter (heraus-) zu fordern. Die Nicht-Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sei kein Kavaliersdelikt sondern kann mit hohen Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen geahndet werden.

Bei Rückfragen zu diesen Themen stehen ihnen die Fachleute des Verbandes jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

*Nutzerinformation Legionellen, Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München; 11/2015, https://www.muenchen.de/rathaus/dms/Home/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Gesundheit-und-umwelt/Dokumente/Hygiene_und_Umweltmedizin/Trinkwasser/hinweise_nutzerinfo_legio.pdf.

 

Anlage 1:

Quelle: Auszug aus §21 der Trinkwasserverordnung

Information der Verbraucher und Berichtspflichten

(1) Der Unternehmer und der sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage […] haben den betroffenen Verbrauchern mindestens jährlich geeignetes und aktuelles Informationsmaterial über die Qualität des bereitgestellten Trinkwassers auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse […] zu übermitteln. Dazu gehören auch Angaben über die Aufbereitungsstoffe, die bei der Aufbereitung und Verteilung verwendet werden, sowie Angaben, die für die Auswahl geeigneter Materialien für die Trinkwasser-Installation nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlich sind. Ab dem 1. Dezember 2013 haben der Unternehmer und der sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage […] die betroffenen Verbraucher zu informieren, wenn Leitungen aus dem Werkstoff Blei in der von ihnen betriebenen Anlage vorhanden sind, sobald sie hiervon Kenntnis erlangen. Der Unternehmer und der sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage […] haben die ihnen nach Satz 1 zugegangenen Informationen unverzüglich allen betroffenen Verbrauchern schriftlich oder durch Aushang bekannt zu machen.

(26.04.2016)